Zoe verbrachte ihre Tage in einem Büro, und am Ende der Woche hatte sie manchmal das Gefühl, vergessen zu haben, wie etwas Lebendiges aussah. Also machte sie einen Imkerkurs, und im Frühling trug sie zwei Bienenstöcke auf das Dach ihres Hauses, Treppe um Treppe. Der erste Sommer war eine Enttäuschung. Die Bienen machten sehr wenig Honig, und im Juli verließ ein Schwarm einen der Stöcke und ließ sich als dunkle, summende Traube auf dem Balkon eines Nachbarn nieder. Herr Brandt, der unten wohnte und Angst vor Bienen hatte, beschwerte sich bei allen im Haus, auch beim Briefträger, der gar nicht gefragt worden war.
Zoe lernte Geduld auf die langsame Art. Sie lernte, Rauch zu benutzen, die Hände ruhig und die Bewegungen klein zu halten und lange davorzusitzen und den Eingang des Stocks zu beobachten, wo die Bienen wie winzige Fahrgäste auf einem sehr belebten Bahnhof kamen und gingen. Im Herbst klopfte sie an Herrn Brandts Tür und gab ihm ein Glas Honig. Er nahm es mit der Vorsicht eines Mannes, der ein kleines Tier hält, und erst später, allein in seiner Küche, probierte er davon. Der Honig schmeckte nach den Linden ihrer Straße, nach Juliabenden und offenen Fenstern. Im nächsten Sommer stieg er die Treppe zum Dach hinauf, ein wenig blass, mit einem Eimer Wasser für die Stöcke.