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Mystery

Die Uhr, die um 3:07 stehen blieb

The Clock That Stopped at 3:07

C1 · Advanced · 2 min read

Niemand konnte sagen, wann die Turmuhr angefangen hatte, sich danebenzubenehmen, nur dass sie es mit beinahe beleidigender Genauigkeit tat: Jede Nacht um genau 3:07 verstummte sie, und jeden Morgen schleppte sich Herr Varga, der Uhrmacher, die zweihundert Stufen hinauf, um sie ins Leben zurückzuholen. Er hatte die Zahnräder gereinigt, die Federn ersetzt und sogar einen Kollegen in der Hauptstadt um Rat gefragt, doch die Uhr blieb weiterhin stehen. Der Bürgermeister, der Unpünktlichkeit als persönliche Beleidigung betrachtete, beklagte sich bei jedem, der den Platz überquerte.

Nina, zehn Jahre alt und von den Erklärungen der Erwachsenen unbeeindruckt, hatte eine einfachere Theorie: Was jede Nacht zur selben Minute geschieht, ist kein Defekt, sondern ein Besuch. Also schlich sie sich an einem frostigen Abend mit einer Taschenlampe und einer Thermosflasche Kakao hinaus und ließ sich hinter dem Brunnen nieder, um zu warten.

Stundenlang bot ihr der Platz nichts als Kälte. Dann, kurz nach 3:06, kam ein leises Kratzen vom Turm, und eine dünne graue Katze zwängte sich durch ein kaputtes Fenster, als zahle sie dort Miete. Mit der Selbstsicherheit einer Angestellten durchquerte sie das Uhrwerk, rollte sich auf dem Pendelgewicht zusammen, und binnen einer Minute stand die Uhr still.

Nina schrie nicht. Dazu war sie viel zu zufrieden. Am nächsten Morgen fragte sie Herrn Varga lediglich, ob er zufällig einen Korb besitze. Gemeinsam besserten sie das Fenster aus und stellten ein gepolstertes Bett neben das Pendel, und die Uhr geriet nie wieder ins Stocken. Die Stadt, die schon immer einen schönen Namen einer guten Erklärung vorgezogen hatte, nannte die Katze Minute.

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