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Legends & history

Der Riese, der auf dem Sonnenaufgang saß

The Giant Who Sat on the Sunrise

B2 · Upper intermediate · 2 min read

Man erzählt, dass vor langer Zeit in einem tiefen Tal eines Morgens die Sonne nicht aufging. Der Osthügel blieb dunkel, und der Hahn krähte dreimal und gab auf. Drei Tage lang lebte das Dorf in der Nacht. Es wurde kalt, die Kühe gaben keine Milch, und alle flüsterten, die Welt sei untergegangen.

Schließlich stiegen sie mit Trommeln und Töpfen auf den Hügel. Sie schrien und kamen ganz blass wieder herunter. „Da oben ist ein Berg, der vorher nicht da war“, sagten sie. „Und er atmet.“

Mira war ein Mädchen von neun Jahren, das zu allem guten Morgen sagte: zu den Kühen, zur Brücke, zum alten Brunnen. In der dritten Nacht wickelte sie einen warmen Laib Brot ein, füllte einen Krug mit Milch und stieg allein auf den Hügel. Der Berg war ein Riese, der mit dem Kinn auf den Knien und geschlossenen Augen dasaß.

„Guten Morgen“, sagte Mira. „Entschuldigung, mein Herr. Ich glaube, Sie sitzen auf dem Sonnenaufgang.“

Der Riese öffnete ein Auge so groß wie ein Teich. „Tatsächlich?“, sagte er. „Ich habe mich vor drei Tagen zum Ausruhen hingesetzt. Alle haben mich angeschrien, da dachte ich, hier will mich niemand.“ Er stand auf, und der Boden bebte. Er stieg zum nächsten Hügel hinüber und setzte sich vorsichtig wieder hin, und durch die Lücke kam die Sonne herauf und goss Gold ins Tal.

Der Kamm heißt noch heute der Riesenstuhl. Jeden Morgen winkt Mira ihm zu, und er winkt zurück.

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