Mara fand den Schlüssel in der Tasche des Wintermantels ihrer Großmutter, ein kleines Ding aus Messing, von den Jahren glatt gegriffen. Ihre Großmutter war im Frühling gestorben, und in den Wochen des Aussortierens und Einpackens hatte nichts im Haus zu dem Schlüssel gepasst: nicht die Schränke, nicht der alte Nähkasten, nicht der Schuppen. Trotzdem brachte Mara es nicht über sich, ihn wegzuwerfen.
An diesem Abend nahm sie die letzte Fähre über die Bucht. Sie drehte den Schlüssel in den Fingern und sah die Lichter des Hafens vorbeigleiten, als sie bemerkte, dass der alte Mann ihr gegenüber genau dasselbe tat. Sein Schlüssel war identisch mit ihrem. „Woher haben Sie den?“, fragte er, so leise, dass sie es beinahe überhört hätte. „Aus dem Mantel meiner Großmutter“, sagte Mara. Der alte Mann senkte den Blick und lächelte. „Dann müssen Sie ihre Enkelin sein. Ich heiße Aldo. Ihre Großmutter und ich waren beste Freunde, als wir Kinder waren. Vor sechzig Jahren haben wir eine Holzkiste unter dem alten Steg eingeschlossen und versprochen, sie zu öffnen, wenn wir beide alt wären.“
Am nächsten Morgen, bei Ebbe, gingen sie zusammen über den nassen Sand und fanden die Kiste, aufgequollen und salzfleckig, aber noch immer verschlossen. Darin lagen zwei kleine Papierboote und ein Zettel in Kinderschrift: „Wir segeln wieder.“ Aldo lachte und weinte zugleich, und Mara stellte fest, dass sie das eine nicht vom anderen unterscheiden konnte. Sie riss eine Seite aus ihrem Notizbuch, faltete ein neues Boot, und sie setzten es gemeinsam aufs Wasser.